22. September 2012

Aus meinem Arbeitsalltag.

Floh-Seligenthal.
Die Nacht vom 21.9. auf den 22.9.
Wie jeden Samstag im letzen halben Jahr muss ich arbeiten.
Es ist Kirmes.
Für alle, die nicht wissen, was das ist.
Für mich ist es nicht mehr als ein sinnloses Massenbesäufnis, was hier in der Gegend in so gut wie jedem Dorf einmal im Jahr stattfindet.
Es ist kurz vor 4 Uhr morgens. Ich habe extra schon eine Stunden später angefangen, damit mir nicht das ganze besoffene Volk entgegen kommt.

 Gerade habe ich meine achte Zeitung in einen Breifkasten gesteckt, da tauchen auf einmal vier Leute vor meinem Auto auf.
Einer von ihnen stellt sich erstmal mit ausgestreckten Armen mitten auf die Straße und zwingt mich so auf dem Weg zur nächsten Zeitung zum Anhalten.
Und ich denke mir nur: "Toll. Noch nicht mal zehn Zeitungen fertig und schon laufen mir die ersten
Vollsuffis entgegen. Das fängt ja gut an."
Aus reiner Gutmütigkeit lasse ich meine Scheibe am Auto runter.
Vor mir steht ein noch fast nüchternes 4er-Trüppchen mittleren Alters. Es hätten meine Eltern sein können vom Alter her, die mich da mitten in der Nacht anquatschen.
Ein Mann fragt mich ganz nett, ob ich sie denn nicht nach Hause fahren könnte, sie müssten nach Hohleborn.
Zu Fuß ist es von dem Punkt aus, wo ich sie angetroffen habe, eine Strecke von ca. 7-8 Kilometern.
Und da es regnete, wollte ich sie buchstäblich nicht im Regen stehen lassen.
Zusammen haben wir dann meine schon ausgepackten Zeitungen, das noch verschnürte Paket, die Post und meinen Müllkorb in den Kofferraum getan, damit es schneller geht.
Dann sind wir los. Gequatscht haben wir nicht viel auf der kurzen Strecke.
Ich habe nur gefragt, wie es war auf der Kirmes und sie waren eigentlich recht zufrieden.
In ihren Augen ein gelungener Abend.
Kurz hinter dem Ortseingangsschild habe ich sie dann abgesetzt. Die restlichen Meter wollten sie zu Fuß gehen. Und ich war froh darüber. Mich hat nicht wirklich interessiert, wo sie wohnen.
Es sollte in meinen Augen eine flüchtige Bekanntschaft bleiben.
Als Dankeschön habe ich von jedem der vier noch 2 € fürs Fahren bekommen, obwohl es ja eigentlich nicht hätte sein müssen.
Eine Viertelstunde Arbeitsausfall, die mir im Endeffekt nicht gefehlt hat und 8 € später konnte ich dann dort weiter machen, wo ich aufgehört hatte.
Es sollten in dieser Nacht die einzigen Personen bleiben, die ich in dem Örtchen angetroffen habe.

Aber ich habe mal wieder festgestellt, dass ich doch nicht ganz zum Egoisten geworden bin.
Und meine Gutmütigkeit hat sich auch noch ungewollt "ausgezahlt".

Am Montag fängt meine vorerst letzte Woche an. Vielleicht mache ich aber auch während des Studiums weiter. Für eine Stunde Arbeit jeden Morgen ist es ein wirklich gut bezahlter Nebenjob.
Deswegen werde ich auch kein BaFöG beantragen, welches ich nach dem Studium sowieso hätte zurückzahlen müssen.

Aber ich werde sehen, wie es weitergeht mit meinem Job. Am Montag werde ich mal meine Chefin anrufen und einfach mal nachfragen.

So. Das wars erstmal für heute.

Einen schönen Samstag wünscht euch,
eure Brina. ♥